Schwarz, weiss, grau oder Zebra?
Heirat über die Grenzen hinweg
«Papa, was ist denn das?»
Kevin streckt seinem Vater eine kleine Petrollampe hin. Vater John erzählt,
wie er als Schüler in Afrika im schwachen Licht einer solchen Petrollampe
seine Hausaufgaben gemacht hatte. Alle paar Tage musste er die Lampe
putzen. Die Kinder stehen um John herum und hören fasziniert zu. Seine
Frau aber sitzt unbeteiligt daneben. Afrika ist Johns Welt, nicht ihre. John
ist Nigerianer. Seine Frau lernte er in der Schweiz kennen. Die Kinder
kennen Johns Herkunftsland kaum. – Auch mein Mann und ich verbrachten
längere Zeit in Afrika. Die geschilderte Szene, die sich in unserer Wohnung
abspielte, weckte viele Erinnerungen in uns. Wir schätzen Johns Familie,
doch schmerzt es mich zu erleben, wie wenig seine Frau sich für Johns
Kindheit interessiert.
Schwarz, weiss grau oder Zebra?
Unsere Nachbarin aus Thailand ist mit einem Schweizer verheiratet. Spricht
er von ihrer Heimat, so redet er «von denen dort unten». Das ist die Welt
seiner Frau, die wenig gemeinsam hat mit dem Leben hier in der Schweiz,
also wie die Farben Schwarz und Weiss mit klaren Grenzen. Manchmal
vielleicht gemischt, mit einem Grauton oder für die Kinder vielleicht mehr
wie ein Zebra: bei Mami gilt schwarz, bei Papi weiss …
Es gibt etliche thai-schweizerische Familien in unserem Quartier. Sie
funktionieren ganz unterschiedlich. Ein Mann hat Thai sprechen gelernt und
isst auch alle Gerichte Thailands, ein anderer mag weder die Sprache noch
das Essen. So kocht seine Frau jeden Tag zwei verschiedene Menüs!
Leben zwischen zwei Kulturen braucht Kraft
Eine Heirat über die Kulturen hinweg ist immer eine besondere
Herausforderung, die viel Kraft und Ausdauer braucht. Es kommt darauf an,
wie viel jeder bereit ist einzusetzen, um auf den anderen zuzugehen und
von ihm zu lernen. Beim Kontakt zu einem westafrikanisch-schweizerischen
Ehepaar kam das Gespräch einmal auf ihre Anfangszeit. Die Eheleute
schauten sich an: «Das war schwierig, ich weiss nicht, ob ich heute
nochmals die Kraft dafür hätte!» Mamadi, der Mann, spricht inzwischen
schweizerdeutsch und hat die Pflegerausbildung nachgeholt. Vieles scheint
«nur» äusserliche Kriterien zu betreffen, doch genau da beginnt «das auf
den anderen Zugehen».
Unterschiede im Glauben
Eine Frau unserer Gemeinde ist mit einem Moslem verheiratet. Sie darf
ihren Glauben ausleben – aber mit Grenzen. Wenn er seine Freunde zu
Besuch hat, muss sie die Gastgeberin sein und kochen, egal, ob es Zeit für
den Gottesdienst wäre oder nicht. Ihre Kinder nehmen zwar «eigentlich»
am Kinderprogramm teil, doch immer wieder verpassen sie es. So konnten
sie nie tiefe Freundschaften zu anderen Kindern knüpfen und fühlen sich,
obwohl ihre Cousins und Cousinen in der Gemeinde sind, darin nicht richtig
zu Hause. – Der 14-jährige Jugendliche hält sich inzwischen zu den
Männern. Sein Vater ist sein Vorbild und dieser geht ja auch nicht in die
Kirche.
Spannungen aushalten
Mit dieser Zerrissenheit zu leben, ist eine grosse Herausforderung, die
manchmal sehr schmerzhaft ausgehalten werden muss. Sind beide
Ehepartner Christen, so haben sie eine gemeinsame Basis, was hilft, den
Graben zwischen den verschiedenen Lebensgeschichten, Erfahrungen und
Werten zu überbrücken. Doch eine Garantie ist es nicht.
Erfahrungen eines afrikanischen Pastors
Ein afrikanischer Pastor in Zürich stöhnte einmal: «In Afrika begleitete ich
Ehepaare seelsorgerlich und ich konnte ihnen Ratschläge geben. In der
Schweiz sehe ich viele ehemals in Afrika funktionierende Ehen auseinander
fallen. Ich kann kaum helfen. Gemischten Ehen gegenüber bin ich ganz
hilflos. Ich weiss nicht, wie ich den Schweizer Ehepartnern helfen oder sie
in unsere (afrikanische) Gemeinde integrieren kann. Weisse Frauen
kommen eher und bleiben auch. Heiratet aber eine Afrikanerin einen
Schweizer, so sehe ich sie sehr oft nie mehr!»
Integration der Kinder
Für die Kinder kann der kulturell gemischte Hintergrund ihrer Eltern
schwierig sein, auch wenn man sie äusserlich für Schweizer hält. Wer bin
ich? Wohin gehöre ich? Die Kinder leben in der Schweiz und werden von
unserer Art geprägt. Aber auch die andere Kultur prägt. In unserer
Nachbarsfamilie, er ist Schweizer und sie Spanierin, werden die Kinder sehr
südländisch erzogen. Die Familiensprache ist spanisch. Alles Spanische
finden sie toll, alles Schweizerische langweilig. Die Ferien verbringen sie
fast nur in Spanien. Die Kinder haben es schwierig, ihre Identität zu finden.
Vorurteile gegenüber Jugendlichen
Ein Afrikaner, mit einer Französin verheiratet und Vater von neun Kindern,
sagte einmal: «Solange die Kinder klein sind, gibt es keine Probleme. Sie
werden akzeptiert und alle finden sie ‹herzig›. Kommen sie aber in die
Pubertät, ändert sich das. Die Knaben haben es dabei viel schwerer als die
‹exotisch› wirkenden Mädchen. Die Jungen werden wegen ihrer Hautfarbe
diskriminiert und man belastet sie mit Vorurteilen. Sie müssen mehr
Leistungen erbringen und werden viel genauer beobachtet als andere
Jugendliche.» Dies ist auch eine Not für die Eltern.
Sind wir bereit, uns zu investieren?
In der gleichen Kultur eine gute Ehe zu führen, ist herausfordernd. Ich
spüre, wie sehr ich dabei auf Gottes Hilfe angewiesen bin. Wie viel
komplexer wird es erst, wenn zwei verschiedene Kulturen im Spiel sind! Für
solche Ehepaare sind vorurteilsfreie Kontakte und Freundschaften umso
wichtiger – sind wir bereit, sie ihnen zu geben?
Barbara Müller
africanlink@gmx.ch
Interkulturelle Partnerschaften sind
ganz besonderen Freuden und
Leiden ausgesetzt. Zwar können die
Paare das Beste aus zwei Welten
auswählen, ihre Kinder haben
Sprachvorteile und die gegenseitige
Bereicherung ist wertvoll. Doch
Missverständnisse sind
vorprogrammiert.
Ein unterschiedliches
Rollenverständnis, die ganz andere
Definition von «Familie» oder auch
wirtschaftliche Probleme können zu
einer grossen Belastung führen.
Vorurteilsfreie Kontakte und
Freundschaften mit
«Einheimischen» sind umso
wichtiger.
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MEOS Svizzera
Eine gute Ehe zu führen, ist eine Herausforderung.
Fakten
Fast die Hälfte aller in
der Schweiz neu
geschlossenen Ehen
sind bi-national, das
heisst, Braut und
Bräutigam haben eine
verschiedene
Staatszugehörigkeit.
Dieser Anteil hat sich in
den letzten 25 Jahren
verdoppelt.